Stefan Strumbel, „Namaste Deutschland“, 2026, Bronze patiniert, Edition 3 + 1 AP. Galerie Ruttkowski;68, Halle 11.2, Stand B 319.  Foto: Eva Rusch

Bund zeigt Flagge in Deutz: Die 59. Art Cologne ist eröffnet

Die älteste Kunstmesse der Welt ist zum letzten Mal in Halle 11 zu Gast. Zur Eröffnung kam erstmals ein Kulturstaatsminister nach Köln und versprach mehr Unterstützung vom Bund. Wie die aussehen soll, hat er nicht gesagt.

Gleich neben Mülheim, jenseits der Zoobrücke, hat die 59. Art Cologne begonnen. 165 Galerien aus 22 Ländern stellen aus. Die Messe setzt auf internationale Ausstrahlung und auf das Rheinland. Für Messedirektor Daniel Hug ist das kein Widerspruch: „Internationale Offenheit und regionale Verankerung gehören gerade in Köln zusammen.“ Den Markt beurteilt er „vorsichtig zuversichtlich“. Er habe sich konsolidiert. Die Stände sind im Schnitt etwa zehn Prozent kleiner als früher. Gekauft werde in Deutschland aber noch „aus Liebe“, vor allem von einer breiten Mittelschicht aus Ärzt:innen, Anwält:innen und anderen Sammler:innen. Die Superreichen machen hier nicht den Markt.

Ein Minister als Signal

Wolfram Weimer bei der Eröffnung der Art Cologne 2026. Foto: Eva Rusch

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eröffnete die Messe gemeinsam mit Oberbürgermeister Torsten Burmester. Laut Kristian Jarmuschek, dem Vorsitzenden des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG), war das eine Premiere: Weimers Vorgänger:innen seien nie gekommen. Weimer nannte Galerien „mehr als das Gehäuse der Geschäfte“. Sie seien Orte der Freiheit, gerade jetzt, wo künstliche Intelligenz das Künstlerische infrage stellt und angelsächsische Player den Markt „vollkommen neu definieren“. Weimer stellte die Frage, ob Europa als „Absender“, als „Content-Kontinent“, seine Rolle weiter erfüllen kann. Die Art Cologne sei dafür „ein absoluter Schlüssel“. Die Kölner Tradition leuchte „in Deutschland und Europa und in die ganze Welt“. Den Schritt nach Mallorca, wo die Messe seit diesem Jahr einen Ableger hat, nannte er genau richtig, um „die Marke in die Welt zu tragen“. Der Bund wolle, dass die Messe „wächst“, und seine Förderung „vertiefen und erweitern“. Seine Hoffnung für den Markt ist die Gen Z, die so offen auf Kunst zugehe wie keine Generation vor ihr.

Was steckt hinter der Förderzusage?

Bisher ist es nur eine Absichtserklärung. Konkret fördert der Bund das Programm NEW POSITIONS für junge Künstler:innen, und zwar mit insgesamt 35.000 Euro. Jarmuschek nannte das „einen sehr bescheidenen Betrag“. Den Großteil der Kosten tragen die Koelnmesse und der BVDG. Der Verband fordert deshalb zweierlei:

  • mehr Geld für NEW POSITIONS

  • einen Galeriepreis des Bundes, nach dem Vorbild des Deutschen Buchhandlungspreises und des Verlagspreises. Dort bekommen inhabergeführte Kulturorte jedes Jahr 7.000 bis 50.000 Euro. Galerien erfüllten dieselben Kriterien, argumentiert Jarmuschek. Film und Games würden ohnehin mit Millionen gefördert.


Vom Bund gefördert: Stand im Programm NEW POSITIONS für junge Künstler:innen.  Foto: Eva Rusch

Wie und wann das im Bundeshaushalt landet, konnte auf der Pressekonferenz niemand sagen. Die Galerien profitieren immerhin weiter vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz, der seit 2025 wieder für Kunstverkäufe gilt. Jarmuschek nennt ihn eine „Riesenentlastung“.

Sammlerinnen im Blick

Neben der Gen Z setzt der Galerienverband ausdrücklich auf Frauen als Käuferinnen. Sammlerinnen seien „unsere Zukunft“, sagte Jarmuschek. Er stützt sich auf Studien der Kunstmarktökonomin Clare McAndrew. Danach kaufen gerade jüngere Frauen lieber Kunst als Luxusgüter. Sie schätzen besonders den direkten Austausch auf Messen und den persönlichen Kontakt zu Künstler:innen. Und sie investieren nicht nur in Spitzenwerke, sondern quer durch Genres und Medien. Jarmuscheks Fazit: Frauen seien auf der Art Cologne „am richtigen Ort“. Ein Blick auf manche Stände bestätigt das.

Andrang am Stand der Galerie Sprüth Magers.  Foto: Eva Rusch

Hugs Highlights

  • Christian Megert, der in diesem Jahr 90 wird, rekonstruiert seinen Spiegelraum von der documenta 1968. Der Raum scheint sich nach oben und unten ins Unendliche fortzusetzen. „Das muss man selbst erleben.“

  • Hermann Nitsch ist mit zwei österreichischen Galerien und einer Präsentation der Nitsch Foundation vertreten.

  • Eine Fokusschau mit feministischen Installationen, Skulpturen und Fotografie. Die Künstlerin Eva Lootz kommt persönlich nach Köln.

  • Skulpturen mit Humor, etwa Stefan Strumbels meditierender Bronze-Adler Namaste Deutschland bei Ruttkowski;68.


Stefan Strumbel, „Namaste Deutschland“, 2026, Bronze patiniert, Edition 3 + 1 AP. Galerie Ruttkowski;68, Halle 11.2, Stand B 319.  Foto: Eva Rusch


Den ART COLOGNE-Preis für Kunstvermittlung (10.000 Euro) bekommt die Düsseldorfer Familie Bronner. Sie sammelt seit drei Generationen, und ihre Sammlung Philara ist frei zugänglich. Wer Zeit hat: Mit dem Ticket der Kölner Museumsnacht kommt man am Samstag von 16 bis 19 Uhr auch auf die Messe. Und das Museum Ludwig feiert seinen 50. Geburtstag.

Ausblick

Zum 60. Jubiläum 2027 zieht die Art Cologne in das neue Confex und in Halle 1. Wenn der Bund dann mehr als Worte mitbringt, hätte sich der Besuch des Ministers gelohnt.

Eva Rusch

↓ Lesen Sie hier die neueste Ausgabe

Abonnieren Sie den Mülheimia Newsletter:

Folgen Sie uns:

↓ Lesen Sie hier die neueste Ausgabe

Abonnieren Sie den Mülheimia Newsletter:

Folgen Sie uns:

↓ Lesen Sie hier die neueste Ausgabe

Abonnieren Sie den Mülheimia Newsletter:

Folgen Sie uns: